So wie  C. G. Jung  vor mehr als 50 Jahren die Psychologie ohne Seele beklagte,  können wir heute eine Systemik ohne Seele beklagen. Fakt ist aber, dass es ohne Seele und einen Seelebegriff kaum möglich ist, ein zusammenhängendes Bild  des menschlichen Lebens zu entwerfen – einen Anspruch, den die Systemik erhebt.

Der Begriff systemisch steht für die Grundauffassung, nach der sich der Einzelne in seinem Leben immer innerhalb von Systemen bewegt – ob nun in seinem Inneren oder in Systemen der äußeren Welt. Innere Systeme sind zum Beispiel einzelne Teilen der Psyche wie Überlebens-Ich, Traumatisiertes-Ich und Gesundes-Ich (siehe auch Trauma-Aufstellungen); zu den Systemen der äußeren Welt gehören dagegen Herkunftsfamilie, Partnerbeziehungen, Arbeitsbeziehungen oder Firmenorganisationen. Beide Systeme stehen darüber hinaus in einer Wechselwirkung und formen und bestimmen so das Wesen des Einzelnen.

Um dem Begriff systemisch also gerecht zu werden, können wir den Zugang zu der Realität (des Bewussten und des Unbewussten) nicht nur auf eine Methode reduzieren, da jede Methode immer nur eine bestimmte Schicht der Psyche zu erhellen und zu erfassen imstande ist. In diesem Sinne handelt es sich hier um einen integrativen Ansatz. Wenn wir uns also nicht in Nebenerscheinungen verlieren und verwickeln lassen wollen, wo das Nebensächliche dem Wesentlichen vorgestellt wird und so die Sicht verstellt, kommen wir ohne einen zusammenfassenden Seelenbegriff nicht aus.

Die Tragweite und Dynamik der persönlichen und vor allem generationsübergreifenden existenziellen Grenzerfahrung und deren Folgen im Leben des Einzelnen würden ohne einen Seelenbegriff in nicht zusammenhängende Symptome auseinanderfallen, die sich dem Gesamtblick entziehen. Deshalb Systemik der Seele. Die Seele ist ein Erlebnis, kein Abstraktum.

Wenn die Seele nicht vom Anfang an dabei ist, wird sie nicht am Ende auftauchen“ (James Hillman).

Es geht also um das Ansprechen der Seele – gerade in Bereichen, wo mit Menschen gearbeitet wird und wo es um Wachstum, Motivation oder Teambuilding geht. Angesprochen sind Psychologen, Therapeuten, Manager, Coaches und Trainer, Ausbilder und Lehrer. Nur wenn die Seele angesprochen wird, kann die Wirkung in der Seele eine nachhaltige sein. Über Nachhaltigkeit wird heutzutage viel gesprochen, über ihr Zusammenhang mit der Seele jedoch kaum.

Wir reden über Kreativität, Innovationskraft und Forschergeist, ohne uns bewusst zu sein, dass dies alles Aspekte einer vitaler Kraft sind, die fließt oder auch nicht – abhängig jeweils davon, ob die Seelenanteile im Schock erstarrt oder in Bewegung begriffen sind. Die Seele ist der Träger der vitalen Kraft, daher sind beide nicht voneinander zu trennen.