Diese Methode, wurde in ihren wesentlichen Zügen, Begriffen und der Methodologie von Prof. Franz Ruppert aus München geprägt. Das zentrale Thema ist dabei der Spaltungsmechanismus in der Seele.

Anwendung: Sie kann sowohl in der Gruppenarbeit umgesetzt werden, wie auch in einer individuellen Arbeit (wenngleich in einem anderen Umfang).

Nutzen: Die Aufstellungsarbeit ist mehr als jeder individuelle Ansatz dazu geeignet, durch die Externalisierung der seelischen Anteile im Raume sowohl die Komplexität des Familiensystems als auch die seelische Landschaft des Einzelnen zu erschließen. Dabei gilt es alles so zu spiegeln, dass es der Einzelne unmittelbar erfährt und sich bewusst macht, was sowohl die Voraussetzung, als auch der eigentliche Akt der Integration der abgespaltenen Seelenanteile ist.  Der Raum wird bei der Arbeit zum Seelenraum. Anwendung kann die Aufstellung sowohl bei komplexen Familienthemen oder innerhalb der eigenen aufgespaltenen Anteile finden.

Theorie und  Entstehungsgeschichte:

In einer existenziellen Grenzerfahrung – also einer Erfahrung, wo die Existenz bedroht ist – spaltet sich die Psyche in ein Überlebens-Ich, ein Traumatisiertes-Ich und ein Gesundes-Ich.

Nur das Existenzbedrohende prägt sich existentiell ein – als ein Weichensteller in den Hirnstrukturen, außerdem in den Körperstrukturen und dem Seelenleben. Dieser Weichensteller stellt dann automatisch und autonom die Gleise in Richtung eines Wiederholungszwangs von Trauma und zugleich der zwanghaften Vermeidungstrategie (Überlebenstrategie) des Gleichen ein. Diese zwei sich widerstrebenden Zwangstendenzen haben einen gemeinsamen Usprungskontext (die Existenzielle Grenzerfahrung), womit sie logischerweise aneinander gekoppelt sind und so eine dynamische Einheit widerstrebender Polaritäten bilden. Oder sie schaffen heftige Widersprüche,  die als Dynamik innerhalb der Seele wirkt („Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“, Faust).

Etwas „darf sich nicht wiederholen“, „muss vermieden werden“ und gleichzeitig zieht man damit unbemerkt gerade das an, was man vermeiden wollte, ebenso sehr wie das, was sich nicht wiederholen darf. Die beiden gegensätzlichen Tendenzen bedingen sich ja in der Tiefe. Dies ist kaum verwunderlich, wenn man sich bewusst wird, dass sie einer gemeinsamen existentiellen Erfahrung entspringen, durch die der Mensch (im Sinne einer Traumaspaltung), gespalten ist. Die Spaltung ist allerdings zugleich die stärkste Verbindung, auch wenn es paradox klingt.

Zwischen diesen Polaritäten gibt es keinen abstrakten „Weg der Mitte“, so sehr er auch sehnsüchtig angestrebt werden mag. Warum? Weil ihre Wirkung stets von der existentiellen Grenzerfahrung als der Quelle der auseinanderzerrenden Polaritäten ausgeht.

Auf diese Art und Weise können wir veranschaulichen, wie sich die seelische Landschaft eines Menschen infolge einer existentiellen Grenzerfahrung aufspaltet. Jeder der drei Teile übernimmt dann seine spezifische Rolle. Während das Überlebens-Ich die Führung übernimmt, um das pure Überleben zu sichern, wird das Traumatisierte-Ich von ihm in der Abspaltung verdrängt gehalten. Der von Natur aus automatisch eingeleitete und daher auch unbewusste Vorgang der Spaltung, dient also dem Überleben. Die Funktion der Aufspaltung ist die Überlebensfunktion im Menschen schlechthin. Das für die menschliche und ganz spezifisch für die kindliche Psyche Unerträgliche, existentiell Bedrohende wird abgespalten und somit überhaupt erträglich gemacht.

Doch das Traumatisierte-Ich – eben weil verdrängt –  drängt zum Sichtbarwerden seiner selbst, indem die existentiellen Grenzerfahrungen in einem Wiederholungszwang re-inszeniert werden, so wie ein unter Wasser gehaltener Ball, der an die Oberfläche drängt. Der unbewusste Trieb oder Drang der Seele nach Heilung zeigt sich also in einer Wiederholung, die allerdings keine Heilung ist, da die gespaltene (fragmentierte) Seele nicht aus sich selbst heraus imstande ist, sich zu integrieren.

Ist die traumatisierte Seele in diese unbewusste Dynamik verwickelt, wird der Mensch von dieser Dynamik mitgerissen. Da die Seele ihrem Wesen nach mehrgenerational ist, wirkt sie auch in diesem Umfang. Sie umschließt das Leben mehrerer Generationen und ihrer Schicksale, die somit in uns und durch uns wirken. Dem steht allerdings – wie bereits erwähnt – die Tendenz des Verdrängens entgegen. Das Verdrängen ist kraft seiner Bestimmung und Funktion bestrebt, die von der Seele an die Oberfläche  gebrachten Trauma & Tabuthemen wieder zu verdrängen und um jeden Preis verdrängt zu halten. Das Verdrängte soll nicht preisgegeben werden.

Die unbewusste Dynamik der Seele

Diese entgegengesetzten Tendenzen lassen in der menschlichen Seele eine Dynamik entstehen, der das menschliche Leben unweigerlich folgt. In diesem Sinne ist das Leben des Individuums fremdbestimmt, da in dieser Dynamik keine freie Wahl liegt. Die Dynamik ergibt sich aus der Spannung zwischen zwei Polen. Es ist die Anspannung zwischen dem unbewussten Drang der Seele nach Wiederholung – Re-Inszenierung ihrer traumatischen Tabuthemen – und der transgenerationalen Verdrängung dergleichen. Der Mensch ist demzufolge  in einem Zustand des Aufgespannt-Seins zwischen diesen zwei Polen. Der Weg der Individuation im jungschen Sinne ist der Weg aus der Verstrickung in diese Dynamik heraus. Dies ist folglich ohne bewusste Auseinandersetzung mit den Traumata aus dem Familiensystem nur schwer denkbar.

Da der Mensch seelisch ein Mehrgenerationenwesen ist (Prof. Franz Ruppert), gilt es diesen Begriff auch in diesem Umfang zu denken: im ganzen Familiensystem oder genauer gesagt im „Umfang des familiären Unbewussten“ (Leopold Szondi). Die existentiellen Grenzerfahrungen aus dem Familiensystem beeinflussen maßgeblich das Leben späterer Generationen, wie bereits viele Studien belegt haben.  Existentielle Grenzerfahrungen (also z.B. Krieg und Flucht) verändern die DNA. In diesem Zusammenhang spricht man im Bereich der Epigenetik von „Traumagenen“.

Der Heilungsimpuls der Seele (des gesunden Ichs) entspricht also der Bewusstwerdung dieser bis dahin unbewussten Dynamik sowie dem Wunsch, aus dieser unaushaltbaren Situation der Zerrissenheit und der Stagnation einen Ausweg zu finden. Der Weg drückt sich allerdings nicht in einer Flucht (Weg – von – Bewegung) aus, sondern in einem Hinschauen, sich Konfrontieren (Hin – zu – Bewegung).

Das Gesunde-Ich ist als ein Keim in der Seele zu begreifen, so dass von seinem vollständigen Vorhandensein nicht automatisch auszugehen ist. Es ist eher so, dass die Qualitäten des Gesunden-Ichs erst durch die Arbeit mit Traumata als eine neue Qualität des Bewusstseins entstehen. Diese Qualitäten sind beispielsweise Stabilität, geistige Offenheit, gefühlsmäßige Durchlässigkeit, Reflexionsfähigkeit, Unterscheidungsvermögen und Ausgerichtetsein im eigenen Leben.

Das Gesunde-Ich ist deshalb von großer Bedeutung: Es ist der eigentliche Träger der Motivation  im Menschen, um mit seinem abgespaltenen Zustand und dessen Folgen zu arbeiten und sie zu integrieren. Die zwangsläufige Folge von existentiellen Erfahrungen ist nämlich eine seelische, emotionale sowie auch geistige Verengung und Verformung, die sich in allen Lebensbereichen des betreffenden Menschen widerspiegelt. Diese Aufspaltung findet man in der Psyche des Erwachsenen auch nach 40-50 Jahren unverändert vor, da von Natur aus eine Aufhebung der Aufspaltung nicht „vorgesehen“ ist. Ganz im Gegenteil dazu das Überlebens-Ich. Dessen Funktion besteht darin, die Inhalte des traumatisierten Ichs zu verdrängen und die Aufspaltung aufrechtzuerhalten oder gegebenenfalls weiter zu spalten. So verengt sich der seelische Raum mit der Zeit, während sich die Traumafolgen zu somatisieren beginnen.

Die Integration der Seele als ein Akt kulturellen Bewusstseins

Die Aufhebung dieser Spaltung, also die Integration der abgespaltenen Anteile der Psyche, ist eine besondere Leistung der menschlichen Kultur. Es ist – im Unterschied zu der Spaltung – kein natürlicher Vorgang, sondern ein Prozess, der von einem erfahrenen Begleiter geleitet werden soll. Es handelt sich um einen Akt des kulturellen Bewusstseins, zumal die Methoden zur Traumabewältigung erst in den letzten Jahrzehnten entstanden sind. Genannt werden können hier beispielhaft SE (somatic experiencing), EMDR, EMI (eye movement integration) und Aufstellungsarbeit mit Traumata.